Thema des Monats

 

 

Mandelpäckla

Eines der prominentesten Stücke aus unserem Tante-Emma-Laden ist mit Sicherheit der "Aecht Franck Zichorie". Es handelt sich um einen Kaffeezusatz bzw. Kaffeeersatz, der aus den gerösteten Wurzeln von Wegwarten (Wurzelzichorien) hergestellt wurde. Wahrscheinlich wurden Zichorien ab 1600 als Kaffee-Zusatz verwendet. Zichorien sollten dem Bohnenkaffee mehr Farbe und Bitterkeit verliehen, da Kaffeebohnen sehr teuer waren und Bohnenkaffee aus Sparsamkeitsgründen �gestreckt� wurde. Etwa ab den 1880er Jahren verdrängten Feigen- und Malzkaffee nach und nach den Zichorienkaffee. Zwar werden Zichorien auch heute noch Malzkaffeeprodukten zugesetzt (darunter �Caro� und �Linde�s�), reinen Zichorienkaffee erhält man heute jedoch nicht mehr. Bereits Ende des 18. Jahrhunderts bestanden einige Zichorienfabriken in Deutschland, vor allem in Preußen. In Württemberg gründete Johann Heinrich Franck 1828 eine Zichorienfabrik in Vaihingen/Enz. Wegen des für einen größeren Absatz notwendigen Eisenbahnabschlusses wurde das Stammwerk 1868 nach Ludwigsburg verlegt. In der Folgezeit wurden mehrere Zweigniederlassungen errichtet, darunter in Linz, Basel, Mailand, Bukarest, Kaschau (Tschechien), Flushing (nahe New York) und Skawina (bei Krakau). Nach mehreren Fusionen ging das inzwischen in �Unifranck Lebensmittelwerke GmbH� umbenannte Unternehmen 1984 in die Nestlé Maggi GmbH über. In Ludwigsburg verblieb das einzige Werk des ehemals großen Unternehmens, das noch an die traditionsreiche Kaffeemittelproduktion der Firmengründung anknüpfen kann. Der �Aecht Frank Zichorie� wurde in zylindrischer Form in roter Verpackung verkauft. Die Päckchen enthielten 200g Zichorienkaffee, der in 15 Tabletten gepresst war. Eine alte Mengenbezeichnung für eine Stückzahl von 15 ist die �Mandel�, daher wurde der �Aecht Franck� Zichorienkaffee auch �Mandelpäckla� genannt. In einigen älteren Aufzeichnungen finden sich bei der Nennung von Taufgeschenken oder Gaben für Wöchnerinnen neben Bohnenkaffee auch �Mandeln�, also Zichorienkaffee. Doch nicht nur der Inhalt des �Mandelpäcklas� war von Nutzen, sondern auch die Verpackung. Denn der rote Farbstoff der Verpackung ließ sich durch leichtes Anfeuchten leicht abreiben. So verliehen junge Frauen ihren Wagen etwas Farbe. Da das Gerücht umging, Lippenstifte bestünden aus Läuseblut, wurde das Rot des Zichorienpapiers auch als Lippenstiftersatz benutzt.

 

Termine

Öffnungszeiten

Mitte März bis Mitte Dezember:
Mittwoch und Sonntag
jeweils 14 – 17 Uhr


Gruppen/Schulklassen auch
außerhalb der angegebenen Zeiten

 

Mitte Dezember bis Mitte Maerz und
Karfreitag geschlossen

 

Kontakt

Museum Hummelstube
Bayreuther Str. 42
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2020 © stefan m. kuehnlein